von tiruvarar nach trichy

tiruvarar

zwei stunden für 50 kilometer, das ist wahres indisches tempo. wir fahren durch eine saftig grüne weiche landschaft, vorbei an heuhaufen – es ist gerade ernte -, feldern, ziegenherden. der verkehr ist wirklich abenteuerlich. jedes mal wenn polizeiposten auftauchen wird der fahrer unruhig, denn diese route war im plan nicht angegeben. er musste an der grenze zwischen kerala und tamilnadu den genauen reiseplan vorlegen und abstempeln lassen, und nur dort darf er hinfahren. unverständlich in einem land!

gegen 10 uhr kommen wir an der riesigen tempelanlage von tiruvarar an – gegenüber ein ebenso dimensioniertes wasserbecken, das aber ganz profanen zwecken dient. grossteils sind wir in der weiten anlage ganz alleine. nach den ersten beiden gappurams entdecken wir zwischen den mauern eine unmenge kleiner “kapellen”. jede beherbergt einen linguam und sie sind alle unterschiedlich gestaltet. bunte dächer mit verschiedensten mustern und motiven krönen die kleinen bauwerke, die umlaufenden mauern sind von individualistisch ausgebildeten kuh-statuen bewacht. auch die säulenarkaden aussen herum sind mit zahlreichen linguams ausgestattet. es ist ein riesiges und harmonisch gestaltetes areal, auch die grossen nandis fehlen nicht.

eine galerie von ca 100 bronzestatuen, jede anders, alle mit stoffen bekleidet führt uns um das heiligtum. besonders verehrt wird eine shivastatue, die vor dem stier steht, von unbeschreiblicher eleganz und künstlerischer feinheit. damit nicht genug. eine säulenkollonade, die sich in einem der höfe öffnet, hat hinreissende deckengemälde (fotografieren verboten) die wahrscheinlich nie publiziert wurden. der besuch in diesem tempel mit seinen bronzen, gemälden und tempelchen war eine wunderbare bereicherung, an die wir uns noch lange erinnern.

nachmittags ein paar kilometer weiter nach darasuram. wieder empfängt uns eine überwältigende anlage, und wieder sind wir alleine. eine halle beherbergt die wundervollst ausgearbeiteten säulen mit lauter kleinen szenischen darstellungen. sie sind so fein gearbeitet wie ein kupferstich. am liebsten würde ich jede säule einzeln mit den augen verschlingen und abfotografieren. von ganz besonderer schönheit sind die grossen basalt götterfiguren in den nischen der aussenwände. jede hat ihre individuellen gesichtszüge, richtige porträts. und wieder elepfanten, diesmal unter dem treppenaufgang. eine grosse messingglocke in der säulenhalle wird zum gebet geläutet. die gopurams sind nicht bemalt und die steinfarbe verleiht den bauwerken noch mehr erhabenheit. die anlage ist weltkulturerbe und wird wieder rekonstruiert. in der sogenannten “bastelstube” nochmal wunderbare figuren, teilweise gebrochen aus der zeit des muslimischen bildersturms. dazu noch die reste alter deckenbemalung.

tempelrap

wir fahren in den ort mit dem unaussprechlichen namen: gangaikondacholapudram. michael hat schon einen rap darauf gemacht, unseren tempelrap. die anlage steht mitten im grünen, etwas zu gepflegt für’s hochmittelalter, aber dieser ort wird sehr gerne zu hochzeiten aufgesucht. der grösste nandi sitzt vor dem eingang, und riesige figuren mit reisszähnen bewachen das tor. szenen, friese, portäts sind präzise ausgestaltet, wenn auch nicht so filigran wie in darasuram. dafür sitzen hier die nandis einfach in der wiese.

auf dem heimweg besuchen wir eine schule für bronzekünstler. ja – und dann ist es doch geschehen. shiva und parvati kommen mit nach hause, begleitet von einem elefanten, zwei alten chettinad holzpuppen, hängeleuchterchen und einem wachsmodell einer parvati. wir werden eine kleine logistik aufbauen wer mit wem reist. jedenfalls ist unser gepäck ganz schön angeschwollen. danach erlöst uns sirdosi von unserem unfreiwilligen vegetarismus und bringt uns in ein lokal, das lamm, fisch und bier bereithält. auf der heimfahrt entsteht das lang ersehnte heuwagenfoto.

beim tagebuchschreiben auf der terasse kommt der hausdiener mit einem riesigen weihrauchgefäss mit glühenden kohlen, in die er ständig wohlgerüche streut vorbei. räuchern gegen die mücken. wie gerufen fängt der muezzin an zu singen.

thanjavur

nach der ankunft in thanjvur erst mal zwei gin tonic in der kühlen bar – mittags ist es unerträglich draussen, wenn es nicht sein muss, dann siesta bis zum nachmittag. unser erster weg führt uns in die thanjavur art gallery. eine grosse ansammlung sehr schöner, miserabel präsentierter, cholabronzen. sie hätten mehr sorgfalt verdient.

dann weiter auf dem tempel run zum brihadishwara tempel. er ist gross, imposant, aber wir haben entweder schon zu viel gesehen, oder werden langsam tempelmüde. die skulpturen sind hier alle riesig, der nandi, die torhüter, der linguam. aber nicht nur einer, ganze galerien sind hier versammelt.

die fahrt nach trichy führt diesmal nicht vorbei an feldern und kuhgespannen, es geht durch eine wilde mischung aus mittelalter und moderne. überall entstehen hangars, werksanlagen, technische ausbildungsstätten und neue wohnhäuser. es ist ein gebiet mit grosser industrialisierung, z.b. werden hier die füsse für windräder hergestellt. die strassen werden zu richtigen highways ausgebaut, und wo man sie schon benützen kann sind wir dankbar für die schüttelfreie zone. ansonsten ist die fahrt ein ganz schönes geholpere.

gleich nach der ankunft erklimmen wir die letzten 250 stufen zum rockfort tempel. kurz vor dem ziel eine in den  fels gehauene höhle mit säulen und einem unerwarteten schönen relief aus dem 8. jahrhundert. der alte tempel darunter, leider nur für hindus. man ahnt an der deckenmalerei des eingangsbreichs wie schön er sein muss. der moderne tempel am gipfel ist als aussichtsplattform gestaltet, und man hat einen wunderbaren blick über einen teil der riesigen stadt. auch auf die wirklich sehenswerte katholische kirche, oder besser kathedrale aus den letzten jahren des 19. jahrhunderts.

nach einem zu reichlichen lunch, ich fühle mich wie ein aufgegangenes hefeteilchen, mit einem wirklich guten guide, er ist bramane und ich kann ihn ausfragen,  zum sri ranganathaswamy tempel, er ist vishnu geweiht. im heilgtum liegt die figur des gottes, das haupt auf eine zusammengerollte schlange gebettet. dieser anblick – leider nur für hindus. die ganze anlage bezaubert uns. es ist eine richtige tempelstadt die zwischen den mauern belebt wird. im inneren teil mit häusern leben nur noch die bramanen, weiter aussen kommen abteilungen mit den händlern, weniger devotionalien als  küchen- und haushaltsutensilien.

es hat hier nichts aufdringliches, sondern eine sehr angenehme athmosphäre. bis zu mauer vier dürfen wir gehen, nicht ohne zuvor einen blick vom dach auf die anlage geworfen zu haben. zwischen den mauern öffnen sich säulenhalllen mit herrlicher ornamentierung versehen. der figurenschmuck ist filgran wie eindrucksvoll. besonders mächtig die halle mit den säulenträgern, sich aufbäumenden pferden mit ihren reitern. dahinter verbirgt sich eine mittelalterliche aura in schummriger dunkelheit, die wir nicht im bild festhalten können. wie schön muss es erst ab mauer drei weitergehen. wir sind sehr beglückt von diesem erlebnis und schliessen diesen tempel ganz besonders in unser herz.

text: suzanne.baeumler
fotos:michael harker

 

 

 

 

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